
Bewohner der Königsstrasse
Valentin
Der Mann, der aus Nachbarn eine Gemeinschaft machte
Valentin hat ein Talent für Neuanfänge. Sein Architekturstudium hat er abgebrochen, inzwischen studiert er Kultur- und Medienwissenschaften. Was von außen gelegentlich nach Planlosigkeit aussieht, ist für ihn eher die Weigerung, auf einem Weg weiterzugehen, nur weil er ihn irgendwann einmal eingeschlagen hat. fileciteturn15file6 Er ist neugierig, hilfsbereit und kann Dinge nur schwer ignorieren, wenn sie ihm falsch vorkommen. Genau diese Eigenschaft führte dazu, dass er kurz nach seinem Einzug begann, die bis dahin eher anonyme Hausgemeinschaft von Nummer 5 zusammenzubringen. Inzwischen ist Valentin längst kein Neuankömmling mehr. Er gehört zur Königsstrasse – und mit Arne hat er dort nicht nur Nachbarn gefunden.
Als Valentin mit 27 Jahren in die WG von Maya und Nils zieht, befindet er sich wieder einmal an einem Wendepunkt. Das Architekturstudium liegt hinter ihm, Kultur- und Medienwissenschaften vor ihm und die Frage, ob er irgendwann auch einmal irgendwo ankommen wird, begleitet ihn schon eine ganze Weile.
Dass ausgerechnet die Königsstrasse darauf eine Antwort geben könnte, ahnt er zunächst nicht.
Sein Einzug in Haus Nummer 5 fällt in eine Zeit, in der die Menschen dort zwar Wand an Wand leben, aber erstaunlich wenig voneinander wissen. Der einsame Tod einer älteren Bewohnerin beschäftigt Valentin so sehr, dass er beschließt, daran etwas zu ändern. Er organisiert ein Hoffest und gründet eine gemeinsame Nachrichtengruppe für das Haus. Damit setzt er etwas in Bewegung, das weit über ein paar Bierbänke und Nachrichten auf dem Handy hinausgeht.
Aus Namen an Klingelschildern werden Menschen.
Valentin lernt Ursula Bermann kennen, hilft ihr, wenn Unterstützung gebraucht wird, mischt sich ein und wird selbst zu jemandem, den andere Bewohner um Hilfe bitten können. Später ist es beispielsweise selbstverständlich für ihn, Eduard Lehmann beim Kauf und Einrichten eines neuen Computers zu unterstützen. Aus dem Mann, der selbst erst seinen Platz in der Straße finden musste, ist damit längst jemand geworden, der anderen dabei hilft, ihren zu finden.
Und dann ist da natürlich Arne.
Der zwölf Jahre ältere Klavierlehrer aus dem zweiten Stock ist zunächst ziemlich genau die Art von Mann, bei der Valentin glaubt, schlechte Karten zu haben. Arne hält wenig von vermeintlicher Planlosigkeit, Valentin wiederum trägt genau an diesem Punkt seine eigenen Unsicherheiten mit sich herum. Trotzdem finden die beiden zueinander. Aus vorsichtiger Annäherung wird eine feste Beziehung.
Valentins Leben ist dadurch nicht plötzlich geradliniger geworden. Das würde vermutlich auch gar nicht zu ihm passen. Er ist noch immer jemand, der nachdenkt, zweifelt, Umwege nimmt und gelegentlich länger braucht, bis er weiß, was er wirklich möchte.
Nur eines muss er inzwischen nicht mehr suchen: seinen Platz in der Königsstrasse.
„Wenn Val sich etwas vornimmt, dann wird daraus auch was. Er braucht halt nur unnötig viel Zeit dafür.“