KI Nutzung in der Königgstrasse

Ihr benutzt ja KI


Ja.
So. Jetzt ist es raus.

Und damit servus z’sammen!
Willkommen zu einem weiteren Blogpost über KI. Diesmal geht es allerdings nicht um Bilder, doppelte Hände oder Häuser, die plötzlich ganz anders aussehen als beschrieben. Diesmal geht es ums Schreiben. Genauer gesagt darum, welche Rolle KI dabei für Marcus und mich eigentlich spielt.

Auf unserer Webseite, also hier, findet ihr bereits seit der ersten Version in der Fußzeile einen Link, der euch – zugegeben in ziemlich nüchterner Sprache – über den Einsatz generativer KI informiert. Dort steht sinngemäß:
„Generative KI wird im Projekt Königsstrasse als unterstützendes Werkzeug eingesetzt.“
Hier möchte ich euch einmal mitnehmen und zeigen, wie wir eben jene generative KI in unserem Arbeitsprozess einsetzen.
Schreiben ist ein kreativer Prozess. Von der ersten Idee einer Geschichte bis hin zum fertigen Roman sitzt man als Autor da und denkt nach, formuliert, verwirft, überdenkt vielleicht das Verworfene – und beginnt schließlich den Prozess von Neuem.

Und hier kommt manchmal schon die generative KI ins Spiel. Denn nicht jede Geschichte, die man sich als Autor ausdenkt, funktioniert auch als Roman. Gleiches gilt für Charaktere und Orte, die diese zukünftige Geschichte tragen sollen.
Und so passiert es, dass zumindest ich meine Idee der KI erst einmal in Stichworten vorwerfe, sie bitte, darüber zuschauen und vielleicht schon mögliche Fehler zu finden.
Gerade bei einem Projekt wie der Königsstrasse ist dieser Punkt inzwischen unglaublich wichtig geworden.
Warum?

Weil zwei Menschen zeitgleich an verschiedenen Romanen schreiben.
So können wir schon zu Beginn eines neuen Romans vermeiden, dass Marcus Nils gerade mit einem grünen Irokesen beschreibt, während er in meinem Roman noch mit seinen braunen Locken durch die Königsstrasse läuft.

Woher weiß die KI das?

Aus unserer Weltenbibel.
Dem geheimen Dokument, das irgendwo in der Cloud liegt und das Marcus – deutlich mehr als ich – mit liebevoller Hingabe pflegt, während ich darauf vertraue, dass er schon die wichtigen Informationen aus meinen Romanen einfügt, wenn er die ersten Entwürfe liest.
Nachdem dieser erste Check positiv verlaufen ist, die KI mir keine großen Logiklöcher aufgezeigt und mich darauf hingewiesen hat, dass Nils inzwischen mit einem Irokesen herumläuft, fange ich an zu schreiben.
Szene für Szene, Kapitel für Kapitel.

Immer wieder halte ich inne, denke nach, verwerfe etwas, formuliere es neu oder komplett um. Und plötzlich steht man auf dem Schlauch.
Man hat seine Figuren dort, wo man sie haben möchte, die Geschichte fließt – und doch stockt man.
Hier ist der Punkt, an dem ich dann durchaus generative KI um Hilfe bitte.
Und wisst ihr was? Die KI versaubeutelt auch manches, wenn man sie um Hilfe bittet.
Beispiel? Gerne.

Prompt:
„Ursula sitzt an einem Donnerstagnachmittag im Café Frühling. Vor ihr stehen Kaffee und Marillenkuchen. Sie beobachtet die Königsstrasse und denkt an Manfred. Hilf mir, eine kurze, ruhige Szene in unserem etablierten Ton zu schreiben. Kein großes Drama, keine neuen Handlungselemente.“

Antwort:
*Ursula umklammerte die Kaffeetasse. Tränen liefen über ihre Wangen. Seit Manfred vor drei Jahren bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, hatte nichts mehr einen Sinn ergeben.
Da setzte sich plötzlich ein fremder Mann an ihren Tisch.
‚Sie sehen aus, als könnten Sie Gesellschaft gebrauchen.‘
Ursula blickte in seine stahlblauen Augen und ahnte noch nicht, dass dieser Nachmittag ihr Leben für immer verändern würde.*

Nun ja, also irgendwie: Danke für nichts.

Denn wer Ursula Bermann kennt, dürfte bei dieser Antwort genauso die Augen verdrehen wie ich.
Also hat sich die KI in diesem Fall nicht wirklich als hilfreich erwiesen.
Und noch etwas fällt bei diesem Beispiel auf: Der Text klingt zwar irgendwie nach Roman, aber er fühlt sich nicht wie einer an. Dabei fehlt es ihm nicht einmal an vermeintlichen Emotionen. Ursula weint schließlich, sie trauert und dann taucht auch noch der geheimnisvolle Fremde mit seinen stahlblauen Augen auf. Was fehlt, ist etwas anderes.
Dieses Gefühl, das beim Lesen entstehen soll.

Für uns sollen die Emotionen beim Schreiben nicht dadurch entstehen, dass wir schreiben: Ursula liefen die Tränen über die Wangen. Sie entstehen aus dem, was wir über Ursula wissen. Aus ihrer gemeinsamen Geschichte mit Manfred, aus all den gemeinsamen Jahren und den kleinen Dingen, die zwischen ihnen in dieser Zeit passiert sind.
Denn wenn Ursula in einem unserer Romane einfach nur sagt: „Mein Manfred …“ – und das sagt sie ziemlich häufig, in den verschiedensten Situationen –, dann brauche ich als Autor keine Tränen bei ihr. Ebenso wenig brauche ich irgendeinen dramatischen Verkehrsunfall und ganz sicher keinen Mann mit stahlblauen Augen.
Wer die Geschichte von Ursula und Manfred kennt, bringt ihre Geschichte in diesem Moment schon mit. Zumindest hoffen wir als Autoren das.
Und genau dieses Gefühl möchte ich beim Schreiben selbst in der Hand behalten. Ich möchte entscheiden, auch anhand unserer Weltenbibel, in der wir die Entwicklungen der Charaktere festhalten, wann eine Szene traurig sein darf, wann sie komisch wird oder – so hoffen wir natürlich bei jeder Szene – etwas mit euch, den Lesern, macht. Manchmal auch genau dann, wenn überhaupt nichts Großes passiert.
Das bedeutet aber auf der anderen Seite nicht unbedingt, dass die Verwendung von KI an dieser Stelle nutzlos ist. Vielleicht steckt in einem Vorschlag ein Gedanke, auf den wir als Autoren gerade in diesem Moment nicht selbst gekommen wären. Vielleicht zeigt sie mir auch den Weg aus einer Sackgasse oder enttarnt ein riesiges Logikloch in der Handlung. Oder aber sie gibt mir nur diesen einen tatsächlichen Anstoß, den ich gebraucht habe.

Aber sie entscheidet nicht, wie die Szene geschrieben wird.
Irgendwann ist die letzte Szene geschrieben, ein wenig später schließt man das letzte Kapitel ab und irgendwann hat man einen fertigen Roman.
Doch ist der Roman damit fertig? Schön wär’s!
Denn jetzt beginnt der Teil, bei dem generative KI bei uns eine ganz neue Rolle einnimmt. Plötzlich heißt es nicht mehr: Hilf mir, eine Idee zu testen. Sondern: Schau dir an, was wir geschrieben haben.
Dabei gehören Rechtschreibung und Grammatik dazu. Doch auch inhaltliche Wiederholungen, merkwürdige Formulierungen und Anschlussfehler.
Beispiel? Gerne.

In einem meiner Romane hängt eine Figur ihre Jacke an die Eichenholzgarderobe. Ungefähr drei Seiten später zieht sie dieselbe Jacke erneut aus und hängt sie an einen Haken eben jener Garderobe.
Die KI findet solche Fehler im Manuskript und weist uns darauf hin. Und wir können sie anschließend gezielt korrigieren.
Doch woher weiß die KI beispielsweise, ob diese Garderobe überhaupt aus Eichenholz besteht?
Aus unserer Weltenbibel. Dem Heiligtum der Autoren hinter der Königsstrasse, welche Marcus hingebungsvoll pflegt. Die bekommt die KI zur Überprüfung ebenfalls mitgegeben.
Denn in der Weltenbibel haben wir Stimmen, Namen, Orte, Beschreibungen und Entwicklungen über die gesamte Serie hinweg festgehalten.
In anderen Worten: Wenn Ursula Bermann eine Teakholzgarderobe im Flur hängen hat, dann kann daraus nicht plötzlich eine Garderobe aus Eiche werden.
Punkt.

Aber, in KI Hinweis ist kein Änderungsbefehl

Nur weil die KI einen Fehler meldet, ist es noch lange keiner. Gut, für Rechtschreib- und/oder Grammatikfehler gilt das meistens schon. Aber inhaltlich?
Nein.

Hier sind dann wieder die echten Menschen gefragt, in unserem Fall Marcus und ich. Nur weil uns ein Fehler gemeldet wird, können und müssen wir ihn überprüfen.
Ich nehme wieder die Teakholzgarderobe, die plötzlich zu einer Eichengarderobe geworden ist.
Und wisst ihr was? Die ist in diesem Moment vielleicht sogar richtig.
Weil unser Charakter eben nicht in Ursulas Wohnung ist, sondern eine Etage tiefer, in der WG. Und dort hängt eben jene Eichengarderobe.
Hier hat die KI einfach nur erkannt: Wir befinden uns in Haus Nummer fünf, in einer Wohnung auf der linken Seite und Ursula Bermann ist dort gerade zu Besuch, während einer der Bewohner heimkommt und seine Jacke an der Garderobe aufhängt.

Was sie allerdings richtig erkannt hat: Die Jacke wurde zweimal ausgezogen und aufgehängt.
Und somit haben wir schon einige Stellen ausgebügelt, die am Ende das Lektorat und Korrektorat hätten finden können.

Was passiert danach?

Nun, wir haben mithilfe von KI die ersten, auffälligsten Stolpersteine identifiziert und – hoffentlich – ausgebügelt. Dann lesen wir unsere Geschichten erst noch einmal gegenseitig. Marcus meine, ich seine. Auch dabei fallen uns noch Fehler auf, die die KI nicht erkannt hat.
Dann geht der Roman in ein menschliches Lektorat und Korrektorat. Von dort bekommen wir schließlich Feedback von echten Menschen, die einen Text lesen, der nicht mehr vor Buchstabendrehern, doppelten Kommata und verdrehten Sätzen wimmelt.
Aber – und auch da müssen wir ehrlich sein – eine KI findet nicht jeden Fehler. Weshalb auch vom menschlichen Lektorat und Korrektorat meistens noch eine lange Liste zu uns zurückkommt.
Aber was bedeutet das alles nun für unser Ja auf die Aussage: „Ihr benutz ja KI?"
Ja.

KI ist für uns ein Hilfsmittel. Sie sitzt mit uns am Schreibtisch und ist ziemlich tief in unseren Arbeitsprozess integriert.
Aber kein Band der Königsstrasse entsteht dadurch, dass wir einen Prompt eingeben und am Ende nur noch auf einen großen, grün leuchtenden Button mit der Aufschrift „Roman generieren“ klicken.
Jetzt wisst ihr aber auch, wie wir KI in unserem Schreibprozess einsetzen.

Und unsere KI-Transparenz, findet ihr hier.

Uli Ross