Weltenbau · Die Königsstrasse

Ein ganz besonderer Kiez


Als wir die Königsstrasse für uns entwickelten, begann alles mit Haus Nummer 5.
Das dunkelgrün gestrichene Haus mit seiner leicht verschrobenen Hausgemeinschaft und dem Blumenladen mit dem beinahe unaussprechlichen Namen Une profusion de fleurs. Übersetzt bedeutet das ungefähr „Eine Blütenpracht“ – und treffender könnte man Tracys Laden eigentlich kaum beschreiben.
Von Haus Nummer 5 aus bewegten wir uns vorsichtig weiter.
Einige Eckpunkte hatten wir in unserer Fantasie bereits skizziert: Natürlich brauchte die Straße ein Café. Eine Bar. Einen Buchladen. Und einige dieser kleinen Feel-Good-Geschäfte, die allein durch ihre Existenz bereits eine bestimmte Atmosphäre mit in die Geschichten bringen.
Natürlich schreiben wir mit den Königsstrasse-Romanen eine positive Utopie – dazu mehr in einem späteren Blogpost. Trotzdem fühlt sich ein Kiez nur dann glaubwürdig an, wenn er nicht ausschließlich aus hübschen Cafés, Blumenläden und charmanten kleinen Boutiquen besteht.

Auftritt: Elektro Eberhard.

Elektro Eberhard ist eines dieser alteingesessenen Geschäfte, die man vielleicht noch aus der eigenen Kindheit kennt. Herzerwärmend unmodern, geführt von einem etwas knurrigen Elektriker, der nicht nur die eine oder andere kaputte Leitung repariert, sondern nebenbei auch Festplatten und Laptops verkauft.
Auswahl? Eher mangelhaft.
Aber Elektro Eberhard gehört eben genauso zum Kiez wie die Bar jeder Vernunft oder der Blitz-Kiosk, bei dem man ein Bier trinken, seine Pakete abgeben und mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit jemanden treffen kann, den man kennt.
Denn uns war von Anfang an wichtig, dieses besondere Gefühl einer Straßengemeinschaft zu entwickeln, das vielleicht einige noch aus ihrer Kindheit kennen: der Bäcker, der einen morgens begrüßt. Der Postbote, der seit Jahr und Tag derselbe ist. Die Floristin, die einem eine Sonnenblume schenkt, weil sie merkt, dass man gerade keinen besonders guten Tag hat.
Eine Form von Beständigkeit, die einen auffängt, wenn das Leben mal wieder ein bisschen zu viel verlangt.
Ganz besonders zeigt sich das bei den Straßenfesten in der Königsstrasse. Hier wird improvisiert, angepackt, gegenseitig ausgeholfen und vor allem eines: gefeiert.
Dabei war es uns wichtig, dass die Straße selbst mit jedem Roman ein wenig weiterwächst. Manche Häuser kennen wir inzwischen ziemlich gut. Bei anderen wissen wir vielleicht gerade einmal, wie die Fassade aussieht. Und hinter einigen Türen waren wir bis heute überhaupt noch nicht.
Das ist durchaus Absicht.
Denn so bleibt auch für uns die Möglichkeit, irgendwann eine dieser Türen zu öffnen und herauszufinden, wer eigentlich dahinter wohnt.
Kurzum: Die Königsstrasse sollte ein Ort werden, an dem man sich wohlfühlt. Ein Ort, an den man gerne zurückkehrt – ganz gleich, ob man dort wohnt, gerade erst eingezogen ist oder die Straße nur für die Dauer eines Romans besucht.
Und ich glaube, das ist uns gelungen.